ENGAGEMENT

Time & Material

Du zahlst gearbeitete Stunden, nicht gelieferte Ergebnisse. Der Anbieter trägt kein Lieferrisiko; du trägst es vollständig.

Zuletzt geprüft: vonKevin Riedl wiki ↗

Time & Material ist das Default-Modell bei Staffing-Agenturen und den meisten Freelance-Verträgen. Du zahlst Stunden- oder Tagessatz; der Anbieter loggt Stunden; die Rechnung kommt monatlich. Es gibt keine vertraglich geschuldete Leistung, nur vertraglich geschuldeten Aufwand. Im österreichischen und deutschen Recht entspricht das einem Dienstvertrag: Der Anbieter schuldet Aufwand und Sorgfalt, kein fertiges Werk. Genau diese rechtliche Unterscheidung ist das ganze Spiel, und sie ist der Grund, warum ein Statement of Work (ein Werkvertrag) ein grundlegend anderes Instrument ist, nicht nur ein anderer Abrechnungsstil.

Das Modell ist insofern ehrlich, als niemand vorgibt, der Anbieter würde das Ergebnis verantworten. Es ist auch das am schlechtesten ausgerichtete der gängigen Modelle: Der Anbieter hat ein Interesse, mehr Stunden abzurechnen, nicht schneller fertig zu werden. Kluge Kunden deckeln T&M-Engagements mit Budget-Cap und klarem Scope, was im Kern ein Fixpreis-Engagement ohne die juristischen Zähne ist.

Beispiel, wie T&M schiefgeht: Ein Founder unterschreibt einen „T&M, um flexibel zu bleiben"-Vertrag für ein Feature, auf das sich bereits alle geeinigt haben. Drei Monate und 40k später ist es zu 70 % fertig, die Agentur schlägt weitere sechs Wochen vor, und der Founder hat keinen vertraglichen Hebel, weil er nie eine Leistung benannt hat. Wäre dieselbe Arbeit als Werkvertrag gescoped gewesen, wäre das 70-Prozent-fertig-Problem auf Kosten des Anbieters zu lösen gewesen.

Wavect nutzt T&M für explorative Engagements, in denen der Scope tatsächlich noch nicht definierbar ist. Wir nutzen es nicht als Default. Der ehrliche Trade-off ist real: T&M ist wirklich das richtige Modell für offene Forschung oder unvorhersehbare Wartung, wo ein erzwungener Fixed Scope uns nur zum Aufpolstern der Schätzung oder zum Streit über „fertig" zwingen würde. Faustregel: Nutze T&M, wenn noch niemand die Leistung beschreiben kann, und wechsle zu einem Retainer oder einem SoW, sobald jemand es kann. Wer dich für Arbeit mit klarer Leistung zu T&M drängt, schiebt das Risiko auf dich.

Wann das im Softwareprojekt zählt. Immer dann, wenn ein Anbieter Stundenabrechnung für Arbeit vorschlägt, auf die sich bereits alle geeinigt haben. Genau da wandert das Lieferrisiko still vom Anbieter zu dir, und die meisten Founder merken es erst, wenn die Rechnung den Output überholt.

Was Founder meistens falsch machen. Sie wählen T&M „um flexibel zu bleiben" für ein Feature, das nie wirklich unsicher war. Drei Monate und eine fünfstellige Rechnung später ist es zu 70 Prozent fertig und sie haben keinen vertraglichen Hebel, weil sie nie eine Leistung benannt haben.

Wie Wavect damit umgeht. Wir nutzen T&M nur für wirklich offene Arbeit und deckeln es mit Budget-Cap und wöchentlichem Burn-down. Der Leitfaden Fixpreis vs Time & Material zeigt genau, wann welches Modell die ehrliche Wahl ist.

// FAQ

Häufige Fragen

Wenn der Scope ehrlich unbekannt ist. Research-Spikes, Bug-Investigations in Legacy-Codebases, exploratives Prototyping. Sobald der Scope greifbar wird, sollte der Vertrag in einen Werkvertrag wechseln; sonst zahlt der Kunde das Lernen des Anbieters.
Budget-Cap plus Stop-Work-Klausel bei 80 Prozent Verbrauch. Ohne Cap rechnet der Anbieter so lange, bis du fragst. Mit Cap und ohne Stop-Work entdeckst du die Überschreitung erst auf der Rechnung.
So verlässlich wie der Anbieter ehrlich ist. Stundennachweise sind nicht auditbar. Wer T&M wählt, kauft Vertrauen, nicht Kontrolle. Das ist der ehrliche Trade-off.