Kevin Riedl

13 min Lesezeit · 19 Jun 2026

KI-Förderung Österreich 2026: KMU.DIGITAL, FFG, aws, Forschungsprämie für KI-Projekte

Für ein KI-Projekt in Österreich gibt es 2026 vier Hauptwege. Merksatz: aws fördert das Einführen bestehender KI, FFG das Forschen und Neubauen, die Forschungsprämie gibt 14 Prozent Steuergutschrift auf echte F&E, und KMU.DIGITAL deckt Beratung plus kleine Umsetzung ab. Der ehrliche Haken: Verfügbarkeit hängt an offenen Calls und Restbudget. KMU.DIGITAL meldet Mitte 2026 auf der offiziellen Seite das Gesamtbudget als ausgeschöpft, und die aws-KI-Calls sind gerade nicht offen. Und die beworbenen "bis zu 80 Prozent" mischen Zuschuss, Darlehen und Steuergutschrift. Der cash-wirksame Netto-Zuschuss liegt meist deutlich darunter.

Das hier ist eine ehrliche Einordnung, kein Förder-Verkauf. Alle Zahlen sind Stand Mitte 2026 und ändern sich (Budgets, Call-Fenster, eine Reform der Forschungsprämienverordnung). Prüfen Sie vor jeder Planung den aktuellen Stand auf der jeweiligen Programmseite oder mit WKO, FFG und Ihrem Steuerberater.

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Die vier Wege auf einen Blick

Was wofür passt, mit den verifizierten Eckwerten. Alle Angaben Stand Mitte 2026, vor Antrag gegenprüfen.

ProgrammWofürSatz / MaximumStatus Mitte 2026
aws (AI Mission Austria)Bestehende KI einführen und integrierenAI-Start bis 50 %, max. 15.000 Euro; AI-Adoption bis 80 % (De-minimis) bzw. 25 bis 45 % (GBER), max. 150.000 EuroCall-basiert, derzeit kein Call offen
FFG BasisprogrammEchte F&E mit KI-Bezug, neuartiges Modell oder VerfahrenKMU bis 50 %, Mix aus Zuschuss und Darlehen, max. 3 Mio. Euro pro ProjektLaufende Einreichung
FFG InnovationsscheckErster kleiner F&E-Schritt mit Forschungspartner80 % auf max. 12.500 Euro Kosten, also max. 10.000 Euro Zuschuss, 20 % SelbstbehaltLaufende Einreichung
FFG AI Ökosysteme (AIM AT)Kooperative KI-Spitzenforschung (Hybrid AI, Green AI)Thematischer Call, Budget rund 8,4 Mio. EuroEinreichung 18.05. bis 06.10.2026
ForschungsprämieSteuergutschrift auf laufende, echte F&E14 % der F&E-Aufwendungen, jährlich, kein WettbewerbDauerhaft, Reform 2026 beachten
KMU.DIGITALBeratung und kleine UmsetzungBeratung 80 % bis 400 Euro bzw. 50 % bis 1.000 Euro (Cap 3.000 Euro); Umsetzung bis 30 %, max. 6.000 EuroBudget laut offizieller Seite ausgeschöpft

aws: für das Einführen von KI

Die aws ist die Förderbank des Bundes und fördert KI über die AI Mission Austria. AI-Start gibt bis zu 50 Prozent und maximal 15.000 Euro für das erste KI-Projekt im Unternehmen. AI-Adoption fördert die Einführung vertrauenswürdiger KI mit bis zu 80 Prozent (De-minimis) oder 25 bis 45 Prozent nach GBER, maximal 150.000 Euro. Der entscheidende Punkt: Die aws-KI-Programme laufen call-basiert, ein Antrag ist nur in offenen Fenstern möglich, und Mitte 2026 ist gerade kein Call offen. Das heißt nicht, dass es die Förderung nicht gibt, sondern dass Sie das nächste Fenster abwarten müssen. Newsletter abonnieren und Status auf aws.at prüfen.

FFG: für das Forschen und Neubauen

Die FFG ist der Forschungsstrang. Relevant, wenn echte Entwicklung mit Neuartigkeit drinsteckt, also ein eigenes Modell, ein neuartiges Verfahren oder eine echte technologische Barriere, die Sie überwinden. Das Basisprogramm ist themenoffen und laufend einreichbar, für Kleinunternehmen bis zu 50 Prozent als Mix aus Zuschuss und Darlehen. Der Innovationsscheck ist der niedrigschwellige Einstieg: bis zu 10.000 Euro Zuschuss, aber zwingend mit einem Forschungspartner. Wer KI-Spitzenforschung kooperativ betreibt, schaut sich AI Ökosysteme 2026 unter dem Dach AIM AT an, mit Einreichfrist bis 6. Oktober 2026. Wichtig zur Abgrenzung: FFG fördert nicht das bloße Einführen bestehender KI, dafür ist die aws da.

Forschungsprämie: 14 Prozent auf echte F&E

Die Forschungsprämie ist anders als die anderen: kein Wettbewerb und kein Budgettopf, sondern ein jährlicher Rechtsanspruch von 14 Prozent auf Ihre F&E-Aufwendungen, beantragt über FinanzOnline mit einem kostenlosen FFG-Jahresgutachten. Anrechenbar sind unter anderem Personalkosten der F&E, direkte Ausgaben und ein fiktiver Unternehmerlohn. Was nicht zählt, ist der ehrliche Teil: reine Routinearbeit, das Einführen von Standardsoftware und das Bauen eines simplen GPT-Wrappers erfüllen die fünf Frascati-Kriterien (Neuartigkeit, schöpferische Tätigkeit, Ungewissheit, Systematik, Reproduzierbarkeit) in der Regel nicht. Ein neuartiges Modell oder Verfahren mit echtem Erkenntnisziel schon. Beachten Sie die Reform der Forschungsprämienverordnung 2026 (unter anderem zur marktnahen F&E) und klären Sie die Auslegung mit Ihrem Steuerberater. Tiefer dazu in unserem Beitrag zur Forschungsprämie für Softwareentwicklung.

KMU.DIGITAL: Beratung und kleine Umsetzung

KMU.DIGITAL ist kein KI-Programm, eignet sich aber für die Strategie vor einem KI-Vorhaben und für niedrigschwellige Umsetzung. Die Beratung wird mit 80 Prozent bis 400 Euro (Statusanalyse) und 50 Prozent bis 1.000 Euro (Strategie) gefördert, mit einem Gesamtdeckel von 3.000 Euro. Die Umsetzung gibt bis zu 30 Prozent und maximal 6.000 Euro, setzt aber eine vorher abgeschlossene, geförderte Beratung voraus. Der wichtige Stand Mitte 2026: Die offizielle Seite meldet das Budget als vollständig ausgeschöpft. Manche Berater-Seiten behaupten das Gegenteil, haben aber ein Geschäftsinteresse am Programm. Im Zweifel der offiziellen Quelle folgen und den Status vor jeder Planung auf kmudigital.at prüfen.

Stapeln und das Doppelförderungsverbot

Die Grundregel ist einfach: Ein und derselbe Euro Aufwand darf nicht doppelt gefördert werden. Verschiedene Kostenpositionen eines Projekts dürfen aber aus verschiedenen Töpfen kommen. Praktisch heißt das, die Forschungsprämie lässt sich mit einer Zuschussförderung kombinieren, aber die bezuschusste Kostenbasis wird vor der Berechnung der 14 Prozent gekürzt. Den schon bezuschussten Teil prämieren Sie nicht. Dazu deckeln die EU-beihilferechtlichen Höchstintensitäten die Gesamtquote pro Projekt, Stacking stößt also irgendwann an eine Decke. Welche Kombination in Ihrem Fall zulässig ist, stimmen Sie mit FFG, aws und Steuerberater ab. Wie sich die Bausteine im Detail stapeln lassen, zeigt unser Beitrag zum Stapeln von aws, FFG und Forschungsprämie.

Welches Programm für welches Vorhaben

  1. Bestehende KI-Tools einführen oder integrieren (Copilot, ein RAG-Assistent auf Standardstack, Prozessautomatisierung): aws AI-Adoption oder AI-Start, sobald ein Call offen ist.
  2. Etwas Neues bauen, echte F&E (eigenes Modell, neuartiges Verfahren): FFG Basisprogramm (laufend) oder AI Ökosysteme (Call bis 6. Oktober 2026).
  3. Ein erster kleiner F&E-Schritt mit Forschungspartner: FFG Innovationsscheck.
  4. Steuerliche Rückvergütung auf laufende F&E: die Forschungsprämie, sofern echte F&E nach Frascati vorliegt.
  5. Standortbestimmung und Strategie vor dem Projekt: KMU.DIGITAL Beratung, sofern wieder Budget offen ist.
Kevin Riedl

"Erst das Projekt rechtfertigen, dann die Förderung suchen, nie umgekehrt. Wenn ein KI-Vorhaben nur mit Fördergeld rechnet, rechnet es nicht. Und wer Ihnen die Förderung als Hauptargument verkauft, verkauft selten die beste Umsetzung."

Der ehrliche Teil

Förderung ist real und sie lohnt sich, aber sie hat Nebenwirkungen, über die selten jemand spricht. Sie verleitet zum Over-Scoping, weil man das Projekt aufbläht, um in ein Programm zu passen, statt das kleinstmögliche zu bauen, das Wert liefert. Der Antragsaufwand ist echt: Gutachten, Kostenpläne, Kooperationspartner, Call-Fenster und Belegführung können bei kleinen Zuschüssen den Nutzen auffressen. Und "wir holen Ihnen die Förderung" ist kein Qualitätskriterium für einen Umsetzungspartner. Ob ein KI-Projekt etwas taugt, entscheidet sich an Umsetzung und Wirkung, nicht am Fördergeld. Förderung ist ein Beschleuniger, kein Geschäftsmodell.

Häufige Fragen

Welche KI-Förderung gibt es in Österreich 2026?
Vier Hauptwege: aws (AI Mission Austria, Einführung und Adoption von KI, call-basiert), FFG (Basisprogramm und AI Ökosysteme, echte F&E), die Forschungsprämie (14 Prozent Steuergutschrift auf F&E) und KMU.DIGITAL (Beratung und kleine Umsetzung). Verfügbarkeit hängt von offenen Calls und Restbudget ab.
Was ist die Forschungsprämie?
Eine steuerliche Gutschrift von 14 Prozent der F&E-Aufwendungen, jährlich über FinanzOnline beantragt, mit einem FFG-Jahresgutachten. Kein Wettbewerb, aber nur für echte F&E nach den Frascati-Kriterien, nicht für Routinearbeit.
Kann ich aws und FFG kombinieren?
Grundsätzlich ja, aber unter dem Doppelförderungsverbot: derselbe Euro nicht zweimal. Verschiedene Kostenteile oder Projektphasen können aus verschiedenen Töpfen kommen, EU-Höchstintensitäten deckeln die Summe. Die konkrete Kombination mit FFG, aws und Steuerberater abstimmen.
Wie viel KMU.DIGITAL-Förderung bekomme ich?
Beratung: 80 Prozent bis 400 Euro (Statusanalyse) bzw. 50 Prozent bis 1.000 Euro (Strategie), Gesamtcap 3.000 Euro. Umsetzung: bis 30 Prozent, max. 6.000 Euro. Aber Stand Mitte 2026 meldet die offizielle Seite das Budget als ausgeschöpft.
Ist KMU.DIGITAL 2026 noch offen?
Die offizielle Seite kmudigital.at meldet das Budget als vollständig ausgeschöpft (Stand Juni 2026). Berater-Seiten behaupten teils das Gegenteil, haben aber ein Eigeninteresse. Prüfen Sie vor jeder Planung den aktuellen Status.
Fördert der Innovationsscheck KI?
Ja, wenn ein Forschungspartner (Uni, FH oder Forschungseinrichtung) eingebunden ist. Bis 12.500 Euro förderbare Kosten, 80 Prozent Förderung, also maximal 10.000 Euro Zuschuss, mit 20 Prozent Selbstbehalt.
Welche Förderung passt, wenn ich nur ein bestehendes KI-Tool einführe?
aws AI-Adoption oder AI-Start, sofern ein Call offen ist, oder die KMU.DIGITAL-Umsetzung. FFG und Forschungsprämie passen nicht, weil reine Einführung keine F&E ist.
Zählt ein ChatGPT- oder RAG-Projekt als Forschung für die Forschungsprämie?
Meist nein. Standard-Tools einzusetzen oder einen Wrapper zu bauen erfüllt die Frascati-Kriterien in der Regel nicht. Nur neuartige Modelle oder Verfahren mit echtem Erkenntnisziel sind förderbar.
Wie hoch ist die realistische effektive Förderquote?
Die Werbung nennt bis zu 80 Prozent, aber das mischt Zuschuss, Darlehen und Steuergutschrift und setzt offene Calls voraus. Der cash-wirksame Netto-Zuschuss liegt meist deutlich darunter. Pro Projekt individuell rechnen.
Lohnt sich der Antragsaufwand?
Bei großen F&E-Vorhaben ja. Bei kleinen Zuschüssen kann der Aufwand aus Gutachten, Doku und Call-Fenstern den Nutzen auffressen. Erst das Projekt rechtfertigen, dann die Förderung suchen.

Fazit

KI-Förderung in Österreich ist 2026 da, aber sie ist kein Selbstläufer. aws fördert das Einführen, FFG das Forschen, die Forschungsprämie gibt 14 Prozent auf echte F&E, und KMU.DIGITAL deckt Beratung plus kleine Umsetzung ab, aktuell aber bei ausgeschöpftem Budget.

Der wichtigste Satz: erst das Projekt, dann die Förderung. Bauen Sie das kleinstmögliche Vorhaben, das Wert liefert, und holen Sie die Förderung, die dazu passt, statt das Vorhaben um die Förderung herum aufzublähen. Und prüfen Sie jede Zahl und jeden Call-Status hier vor dem Antrag gegen die offizielle Programmseite, denn beides ändert sich schnell.

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Kevin Riedl

13 min Lesezeit · 19 Jun 2026