In diesem Beitrag
Kann ein Software-Studio die österreichische Forschungsprämie geltend machen? Welche Dev-Kosten zählen
Möglicherweise, wenn Unternehmen und Tätigkeit die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Die österreichische Forschungsprämie beträgt 14 % der qualifizierenden Bemessungsgrundlage für Forschung und experimentelle Entwicklung und wird dem Abgabenkonto gutgeschrieben. Sie hängt nicht vom steuerpflichtigen Gewinn ab, routinemäßige Softwareumsetzung fällt aber nicht unter die F&E-Definition. Es gibt keinen einzelnen Test des "kompetenten Entwicklers": Beurteile Neuartigkeit, Schöpferisches, Unsicherheit, Systematik sowie Übertragbarkeit oder Reproduzierbarkeit nach den offiziellen Leitlinien. Stand 2. September 2026. Nur allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Unsicher, ob dein Build qualifiziert?
Kostenloses Erstgespräch buchenQualifiziert Softwareentwicklung für die Forschungsprämie?
Ein Teil der Softwarearbeit kann qualifizieren. Die Forschungsprämie verwendet die Frascati-basierte F&E-Definition, und der FFG-Leitfaden beschreibt Neuartigkeit, schöpferische Tätigkeit, Unsicherheit, systematisches Arbeiten sowie Übertragbarkeit oder Reproduzierbarkeit. Schwierigkeit, Aufwand oder kommerzielle Neuheit allein reichen nicht. Die Beurteilung erfolgt auf Tätigkeits- oder Projektebene und muss Wissenslücke, Methode, ausgeführte Arbeiten und Ergebnis erklären.
Ein Konsensmechanismus, kryptografisches Verfahren, Performance-Ansatz oder Machine-Learning-Experiment kann qualifizieren, wenn die dokumentierte Arbeit diese Kriterien tatsächlich erfüllt. Ein CRUD-Feature, eine Integration, ein Redesign, eine Framework-Migration, eine Prompt-Änderung oder die Anbindung einer bestehenden LLM-API ist nicht automatisch F&E. Ein größeres Projekt kann daneben aber abgrenzbare qualifizierende Tätigkeiten enthalten. Ordne Kosten dem belegten F&E-Anteil zu und schließe Routineumsetzung aus.
Welche deiner Dev-Kosten zählen wirklich?
Die Bemessungsgrundlage kann Löhne und Gehälter des F&E-Personals, direkte F&E-Aufwendungen und Investitionen, Finanzierungsaufwendungen, forschungsbezogenen Overhead und den gesetzlichen fiktiven Unternehmerlohn umfassen, abzüglich relevanter steuerfreier öffentlicher Förderungen und durch eine Auftragsforschungsmitteilung abgedeckter Beträge. Die BMF-Information 2026 zur FoPV-Novelle bindet Beträge außerdem an tatsächlich steuerwirksame Betriebsausgaben und erläutert Regeln für nachhaltig genutzte Wirtschaftsgüter. Kläre die Behandlung mit einer Steuerberatung. Dieses vereinfachte Beispiel zeigt nur die Rechnung, nicht die Anspruchsberechtigung oder einen Benchmark.
- Entwicklergehälter (brutto, inkl. Lohnnebenkosten). 2 Engineers mit 70 % ihrer Zeit am Forschungsprojekt: 180.000 EUR
- Research-Lead / Architekt (Teilzeit am Projekt). 40.000 EUR
- Direkt zurechenbarer Overhead (Cloud-Compute für Experimente, Prototyping-Hardware, projektspezifisches Tooling): 25.000 EUR
- Qualifizierende F&E-Basis gesamt: 245.000 EUR
- Illustrative Forschungsprämie mit 14 %: 34.300 EUR Gutschrift auf dem Abgabenkonto
Die Prämie wird dem Abgabenkonto gutgeschrieben statt vom Gewinn abgezogen, sodass ein Verlust sie nicht automatisch ausschließt. In die Basis gehört nur der belegte Anteil, der qualifizierender F&E zuzurechnen ist. Hat ein Engineer 70 % des Jahres an qualifizierenden Tätigkeiten und 30 % an Routinewartung gearbeitet, müssen Zuordnung und zugrunde liegende Aufzeichnungen den geltend gemachten Betrag stützen.
Das FFG-Gutachten: Welche Nachweise braucht der Antrag?
Für eigenbetriebliche F&E ist grundsätzlich ein kostenloses jährliches FFG-Gutachten erforderlich. Die FFG beurteilt, ob die beschriebenen Tätigkeiten dem Grunde nach die inhaltlichen F&E-Anforderungen erfüllen. Das Finanzamt bleibt für den Antrag einschließlich der Bemessungsgrundlage zuständig. Auftragsforschung folgt einem anderen Weg und braucht kein FFG-Gutachten.
Typische Schwächen, die du in der Einreichung vermeiden solltest:
- Feature-Liste statt F&E-Beschreibung. Nenne Ziel, Wissens- oder Fähigkeitslücke, Unsicherheit, Methode, ausgeführte Arbeiten und Ergebnis.
- Unbelegte systematische Methode. Zeige geplante Untersuchung, Experimente oder Analyse, Aufzeichnungen und angemessene Schlussfolgerungen.
- Keine Trennung von Routineumsetzung. Grenze qualifizierende Tätigkeiten und Kosten von Produkt-, Integrations-, Wartungs- und kommerzieller Arbeit ab.
- Unzureichende Aufzeichnungen. Halte technische und Kostennachweise zeitnah fest, damit Beschreibung und Zuordnung abstimmbar bleiben.
Der pragmatische Schritt: Schreib die Projektbeschreibung in der Sprache von Unsicherheit und Methode, halte Aufzeichnungen laufend, und warte nicht bis zur Einreichungssaison, um zu rekonstruieren, was passiert ist. Wie wir das in der Lieferung mitdenken, siehst du auf unseren Seiten zu Softwareentwicklung und Fractional CTO.
Forschungsprämie vs die deutsche Forschungszulage: ein Vergleich
Wer beidseitig der Grenze operiert: Die beiden Regime unterscheiden sich in Satz, Kostenbasis, Deckel, Zertifizierung und Zahlungsmechanik. Beide können bei niedrigem oder null steuerpflichtigem Gewinn einen Wert schaffen, lassen sich aber nicht mechanisch von einem Land auf das andere übertragen.
| Dimension | Österreich: Forschungsprämie | Deutschland: Forschungszulage |
|---|---|---|
| Satz | 14 % der qualifizierenden Bemessungsgrundlage | 25 % Standard; qualifizierende KMU können zusätzliche 10 Prozentpunkte beantragen |
| Förderfähige Kosten | Qualifizierende eigenbetriebliche Löhne, direkte Kosten und Investitionen, Finanzierung, zurechenbarer Overhead, fiktiver Unternehmerlohn und qualifizierende Auftragsforschung | Bestimmte Personal- und Unternehmerkosten, förderfähige Wirtschaftsgutnutzung, 70 % qualifizierender Auftragsforschungsentgelte nach dem 27. März 2024 und ein Overhead-Betrag von 20 % für nach dem 31. Dezember 2025 beginnende Vorhaben |
| Deckel | Keine allgemeine gesetzliche Obergrenze für die eigenbetriebliche Basis genannt; Auftragsforschung ist auf 1.000.000 EUR pro vollem zwölfmonatigem Wirtschaftsjahr begrenzt | Bemessungsgrundlage für nach dem 31. Dezember 2025 entstandene Aufwendungen auf 12.000.000 EUR begrenzt, gegebenenfalls gemeinsam für verbundene Unternehmen; maximal 3.000.000 EUR bei 25 % oder 4.200.000 EUR bei 35 % |
| Zertifizierungsstelle | Jährliches FFG-Gutachten grundsätzlich für eigenbetriebliche F&E, Finanzamt entscheidet über Antrag und Basis; kein FFG-Gutachten für Auftragsforschung | BSFZ-Projektbescheinigung, danach Antrag beim Finanzamt |
| Mechanismus | Beilage E 108c über FinanzOnline | BSFZ-Antrag, dann Geltendmachung in der Steuererklärung |
Quellen: die offiziellen österreichischen Leitlinien von USP und zur FFG-Antragstellung; das aktuelle deutsche Forschungszulagengesetz, die BMF-Zusammenfassung 2026 und der BSFZ-Überblick.
Wie öffentliche Förderungen die Prämienbasis beeinflussen
Die Prämie kann neben direkter Förderung bestehen, doch die Basis ist nach den anwendbaren Steuerregeln zu berechnen. Laut offizieller FFG-Leitlinie sind steuerfreie öffentliche Förderungen und durch eine Auftragsforschungsmitteilung abgedeckte Aufwendungen abzuziehen. Die Behandlung hängt deshalb vom Förderinstrument, seiner steuerlichen Behandlung, der geförderten Kostenposition und der Zuordnung ab, nicht nur davon, ob das Projekt auch eine aws- oder FFG-Förderung erhielt.
Halte Förderentscheidung, Kostenbuchhaltung, Zeitaufzeichnungen, Auftragsforschungsmitteilungen und Prämienberechnung abstimmbar. Unterstelle nicht, dass jede Förderung gleich kombiniert wird oder 14 % automatisch auf den vom Unternehmen getragenen Anteil entfallen. Bestätige das aktuelle Programm und die steuerliche Behandlung mit Förderstelle und qualifizierter Beratung. Unser Begleitpost erklärt die Planungsfragen zum Stapeln von aws- und FFG-Förderungen.

"Aufwand allein begründet keine F&E. Beschreibe Unsicherheit, Methode, Arbeit und Ergebnis und trenne diese Tätigkeit von routinemäßiger Produktumsetzung."
Q&A: Wir sind ein gebootstrapptes Studio ohne Gewinn. Können wir trotzdem geltend machen?
Ein steuerlicher Verlust oder fehlender steuerpflichtiger Gewinn schließt den Antrag nicht automatisch aus. Die Prämie ist keine steuerpflichtige Betriebseinnahme und wird dem Abgabenkonto gutgeschrieben. Ob und wann daraus eine Auszahlung entsteht, hängt vom festgesetzten Anspruch und Stand des Abgabenkontos ab. Der Cash-Zeitpunkt ist daher weder automatisch noch bei jedem Unternehmen gleich.
Q&A: Wir machen Auftragsentwicklung für einen Kunden. Wer macht das geltend?
Wende die gesetzlichen Regeln für eigenbetriebliche F&E und Auftragsforschung an, nicht allein ein Eigentums- oder Abrechnungslabel. Bei qualifizierender Auftragsforschung darf der Auftraggeber geeignete verrechnete Aufwendungen bis 1.000.000 EUR pro vollem zwölfmonatigem Wirtschaftsjahr einbeziehen, wenn Auftragnehmer und Tätigkeit die Voraussetzungen erfüllen. Der Auftraggeber muss dem Auftragnehmer bis zum Ende seines Wirtschaftsjahres mitteilen, für welchen Betrag er die Prämie beansprucht; für diesen mitgeteilten Betrag ist der Auftragnehmer ausgeschlossen. Der Auftragnehmer kann abgrenzbare eigene F&E haben, braucht dafür aber eigenständige qualifizierende Fakten und Kosten. Kläre Behandlung, Aufzeichnungen, Mitteilung und Zuordnung im Vertrag und mit Beratenden. Unser Beitrag Werkvertrag versus Time and Material behandelt die getrennte Vertragsfrage.
Q&A: Qualifiziert KI- / LLM-F&E?
KI- und LLM-Arbeit wird Tätigkeit für Tätigkeit nach denselben F&E-Kriterien wie andere Software beurteilt. Routinemäßige API-Integration, Konfiguration oder Prompt-Iteration erfüllt Neuartigkeit oder technologische Unsicherheit oft nicht, doch Werkzeug oder Technik entscheiden nicht allein über die Eignung. Eine dokumentierte Untersuchung zu Modell, Daten, Evaluierung, Architektur oder Performance kann qualifizieren, wenn sie die Kriterien tatsächlich erfüllt; Training oder Fine-Tuning ist nicht automatisch geeignet. Trenne qualifizierende experimentelle Arbeit von routinemäßiger Produkt- und Compliance-Arbeit. Unser Beitrag zu den Compliance-Kosten des EU AI Act behandelt eine andere Planungsfrage.
Q&A: Wie weit zurück kann ich geltend machen?
Die offizielle Frist beginnt mit Ablauf des betreffenden Wirtschaftsjahres und endet vier Jahre nach ihrem Beginn. Ein früheres Jahr kann daher noch offen sein, doch prüfe die genaue Frist und Verfahrenslage in FinanzOnline, bevor du dich darauf verlässt. Anspruch und Zuordnung brauchen weiterhin Nachweise. Zeitnah geführte technische und Kostendokumentation ist in der Regel verlässlicher als eine Jahre später erstellte Rekonstruktion.
Fazit
Die österreichische Forschungsprämie beträgt 14 % der qualifizierenden F&E-Bemessungsgrundlage und kann auch bei null steuerpflichtigem Gewinn gutgeschrieben werden. Software, KI, Aufwand und kommerzielle Neuheit begründen für sich keinen Anspruch. Identifiziere qualifizierende Tätigkeiten, dokumentiere Wissenslücke und systematische Arbeit, ordne belegte Kosten zu und trenne Routineumsetzung. Bei eigenbetrieblicher F&E beurteilt grundsätzlich die FFG den sachlichen Inhalt, während das Finanzamt über Antrag und Basis entscheidet. Für Auftragsforschung gelten eigene Regeln zu Auftragnehmer, Höchstbetrag, Mitteilung und Nachweis. Steuerfreie öffentliche Förderungen und mitgeteilte Auftragsforschungsaufwendungen kürzen die Basis, soweit die offiziellen Regeln es verlangen; Förderkombinationen brauchen daher eine instrumentenspezifische Analyse. Zahlen und offizielle Links geprüft am 2. September 2026. Dies ist allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung; hole vor der Einreichung qualifizierten Rat ein.
Unsicher, ob dein Build qualifiziert?
Kostenloses Erstgespräch buchen